admg   

Momentan online

Startseite News Latest Bünder Zigarrenhersteller : Die André-Seite des Rauchens
Bünder Zigarrenhersteller : Die André-Seite des Rauchens PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: thomas.jaeger   
Samstag, den 13. Januar 2018 um 07:37 Uhr

altBünder Zigarrenhersteller ist 200 Jahre nach der Unternehmensgründung wieder zu 100 Prozent in Familienhand


Weißt du noch? In Bünde und Umgebung gibt es wenige eingesessene Familien, in denen nicht wenigstens ein Vorfahr in der Zigarrenindustrie gearbeitet hat.


Und heute? 2017 blickt der größte Zigarrenhersteller der Stadt bei Bielefeld, Arnold André, nicht nur auf eine 200-jährige Vergangenheit zurück. Er geht auch optimistisch in die Zukunft. Der siebte Nachfahre des Gründers, Axel-Georg André, hat gerade den 40-prozentigen Anteil des bisherigen Partners Swedish Match AB zurückgekauft. André ist 29 Jahre nach Beginn der Partnerschaft zunächst mit dem niederländischen Hersteller Elisabeth Bas (Ebas) wieder 100 Prozent in Familienhand.

Wer Zigarre raucht, ist über 30, männlich, genussorientiert und gut situiert. „Auf eine große Zahl unserer Kunden trifft das Bild tatsächlich zu“, sagt Jens Schrader, Marketing-Chef bei André. Berühmte Zigarrenraucher wie Winston Churchill, Fidel Castro, Ludwig Erhard, Gerhard Schröder und Arnold Schwarzenegger prägen den Eindruck eines gemütlichen, dem Genuss zugeneigten Erfolgsmenschen.

Doch heute bläst Kunden und Produzenten ziemlich viel Gegenwind ins Gesicht. Rauchen schadet der Gesundheit und wird vor allem in der Öffentlichkeit immer weiter eingeschränkt. Das trifft auch Zigarren- und Zigarillo-Hersteller, obwohl sie nach Angaben von Schrader nur einen Anteil von einem Prozent am deutschen Tabakwarenmarkt haben. Von Maßnahmen wie den obligatorischen Warnhinweisen sind sie nicht ausgenommen. Eine Folge der Einschränkungen ist, dass André in den Sommermonaten heute einen spürbar höheren Umsatz erzielt als im Winter: Wer raucht schon gerne, wenn vor der Tür die Hände nass werden oder die Füße frieren?

Das war mal anders, und die Bünder hatten daran einen großen Anteil. Unter dem 1946 neu geschaffenen Markennamen Handelsgold brachte André nach dem Zweiten Weltkrieg eine gleichbleibend gute Zigarre zum günstigen Preis – zwischen 10 und 30 Pfennige das Stück – mit großem Werbeaufwand unters Volk. Der Name prangte auf Litfaßsäulen, Autos und sogar auf Straßenbahnen. Handelsgold ist bis heute neben Clubmaster eine der beiden Hauptmarken des Unternehmens. Zusammen erwirtschaften sie mehr als 90 Prozent des Absatzes.

Begonnen hat das Unternehmen in der Innenstadt von Osnabrück. Der Gründer Johann Friedrich Christian André war ein Tabakfacharbeiter. 1851 eröffnete der Sohn den ersten Filialbetrieb in Bünde. 15 Jahre später wurde der Standort Osnabrück aufgegeben.

Um die Arbeitsplätze in der Zigarrenindustrie zu schützen, erließen die Nationalsozialisten ein Maschinenverbot. Es galt, jedenfalls offiziell, bis 1958 und führte dazu, dass André einschließlich der Heimarbeiter zeitweise gut 6000 Menschen beschäftigt hat. Heute sind es weltweit über 850, davon etwa 200 in Bünde, knapp 220 im einzigen deutschen Produktionsbetrieb in Königslutter bei Braunschweig, 400 in einem Werk in der Dominikanischen Republik und gut 50 in den Vertriebsgesellschaften in Frankreich und Portugal.

Während das Nazi-Regime einerseits die Arbeitsplätze in der Tabakindustrie durch das Maschinenverbot schützte, haben andererseits die beiden Weltkriege den Siegeszug der Zigarette enorm beschleunigt. Produktion und Produkt sind kaum vergleichbar. Während die Zigarette in Sekundenbruchteilen aus der Maschine fällt, verpackt und abgeschickt wird, muss die Zigarre nach viel längerer Produktionszeit erst einmal sechs bis acht Wochen ruhen. Bei André findet die Herstellung in Königslutter statt, Verpackung und Versand in Bünde.

War es bis 1958 das Maschinenverbot, so sind es 60 Jahre später andere Restriktionen, die Schrader zufolge das Geschäft mit Zigarren und Zigarillos nicht gerade erleichtern. Manche sind schwer verständlich. So erließ die Politik ein sogenanntes „Auslobungsverbot“ für aromatisierte Zigarillos, das heißt: Auf den Packungen darf die besondere Geschmacksrichtung nicht genannt werden.

Auch die Warnhinweise und „Gruselfotos“ stellen die Zigarrenindustrie vor besondere Probleme. Zum einen gelten in jedem Exportland – und André verkauft 62 Prozent seines Absatzes im Ausland – etwas andere Vorschriften. Zum anderen war die Zeit für die Umstellung für die Branche sehr eng. Seit Mai 2017 dürfen in Deutschland auch keine alten Verpackungen mehr in Umlauf sein, obwohl Zigarillos und Zigarren sich vergleichsweise langsam verkaufen. So musste André zunächst alle Packungen überarbeiten, den Maschinenpark anpassen und steht nun unter dem Druck des Handels, alte Verpackungen zurückzunehmen – für ein mittelständisches Unternehmen ein erheblicher Kostenaufwand.

2016 hat André etwa 90,5 Millionen Euro umgesetzt. Damit haben die Bünder in Deutschland einen Anteil von 23 Prozent am Markt für Zigarren und Zigarillos. Wenn auch das Marktvolumen über die Jahrzehnte insgesamt geschrumpft ist, so geht der Trend jedoch Schrader zufolge zu höherwertigen Premiumwaren. Da zahlt sich aus, dass André 2012 in der Dominikanischen Republik das eigene Werk „Arnold André Dominicana“ in Betrieb genommen hat. Zunächst produzierte man Deckblattzuschnitte, die sogenannte Bobinierung, und erweiterte das Werk bereits zwei Jahre später um die Herstellung eigener handgerollter Zigarren. Es begann mit der nach dem Vertreter der jüngsten, achten Firmengeneration benannten „Carlos André“. Seitdem sind zwei Longfiller, „Buena Vista“ und „Beast Handcraft Cigars“ hinzugekommen.

Das limitierte Jubiläumszigarillo „Clubmaster 1817“ stieß bei den Kunden auf so gute Resonanz, dass André entschied, die Marke fest ins Programm aufzunehmen. Neu im Sortiment ist auch „Chazz“ und steht für Zigarillos, die ohne Zusatzstoffe zu 100 Prozent aus Tabak bestehen.

Neben den eigenen Zigarren und Zigarillos, die weiterhin von den Marken „Handelsgold“ und „Clubmaster“ dominiert werden, vertreiben die Bünder auch Tabakwaren fremder Hersteller. Dazu gehören die meistverkaufte italienische Marke Toscano und der Pfeifentabak Mac Baren. Auch Davidoff wurde von 2011 bis 2016 in Deutschland von Ostwestfalen aus vermarktet.

Exportland Nummer eins für André ist Frankreich. Insgesamt exportieren die Bünder in mehr als 80 Länder. 90 Prozent bleiben aber in der Europäischen Union.

Was dem Bergmann die Kohle und dem Brauereiarbeiter die Kiste Bier, ist den Beschäftigten eines Tabakunternehmens das Päckchen Zigarren und Zigarillos am Monatsende. Männer freuen sich darüber besonders, denn sie bekommen seit urdenklichen Zeiten das doppelte Deputat. „An manchen Traditionen rüttelt man eben nicht“, schmunzelt Schrader.

Außenstehende bringen mit Tabakwaren gern den „blauen Dunst“ in Verbindung. Sinnbildlich steht er für schönen Rauch, der sich aber schnell auflöst. Die 200-jährige Geschichte von Arnold André und mehr noch das verstärkte Engagement der Eigentümerfamilie beweisen aber, dass es um mehr geht: Um Tradition und den Anspruch, genießen zu dürfen – in Maßen und wenn es anderen nicht schadet.



Über AdriaMediaGroup:

Seit 1999 bilden Online-Magazine das Fundament unseres Unternehmens. Dank unser regelmäßigen Markt- und Zielgruppenanalysen kennen wir unsere Leserinnen und Leser sehr gut und wissen genau, was diese von unseren Magazinen erwarten. Mit renommierten Nachrichtenagenturen wie dpa und AFP ergänzen wir die uns zur Verfügung stehenden Informationsquellen aus Politik und Wirtschaft. Stetig entwickeln wir unsere Magazine weiter und kreieren immer wieder neue Online-Magazine, die speziell auf das entsprechende Marktumfeld angepasst sind. Ob das kleine Nischenmagazin, ein Wirtschaftsjournal im Internet oder ein Tageszeitung im Internet. Mit über 45 Millionen Seitenaufrufen pro Monat (quelle: PIWIK September 2016), zeigt sich dass unsere aktuellen Magazine vom Publikum sehr gut angenommen werden. In den 17 Jahren unserer verlegerischen Tätigkeit mussten wir uns bis heute weder einem Abmahnverfahren stellen noch jemals einen Widerruf veröffentlichen. Entgegen anderer Verlage basiert unsere Berichterstattung auf seriöser Recherche und reinen Fakten. Wir sehen in grundsolider Berichterstattung auch heute noch die Zukunft unserer Arbeit.

Die AdriaMediaGroup ist seit 1999 auf dem internationalen Markt tätig. Derzeit publiziert die ADMG auf dem deutschsprachigen Markt über 80 Online-Magazinen aus unterschiedlichsten Themenbereichen. Alle Zeitschriften werden von unserem eigenem Redaktionsteam regelmässig aktualisiert.